„Mit jedem Stück atemberaubender“

Bericht Schwarzwälder Bote v. 06.06.2026 – Martina Baumgartner

Erstmals wagte die Stadtmusik sich mit ihrem Fronleichnamskonzert in die Abendstunden. Der Regen machte bis Ende des Gemeinschaftskonzerts mit der
Chorgemeinschaft Frohsinn Schramberg eine Pause.

SCHRAMBERG In Manier eines Conferenciers übernahm Lars Bornschein am Donnerstag im Park der Zeiten die Moderation des Konzerts „Atemberaubend: Winds and Voices“. Der habe nicht besser passen können, sagte er, denn sowohl“ Frohsinn“ als auch Stadtmusiker hätten etwas gemeinsam: Den Atem, mit dem sie auch Musik erzeugten. „Erst kommt der Atem und dann wird‘s mit jedem Stück atemberaubender“, machte er neugierig auf das Konzert.

Beschwingtes „Welcome“
Das begann mit einem klanglich warmen und beschwingten „Welcome“ (Toshio Mashima) im Bigband-Stil und wies den Weg zu einem heiteren Musikabend. Gesangssolistin Claudia Habermann, die auch musikalische Leiterin der Chorgemeinschaft ist, bestätigte anschließend mit wunderbar heller sowie klarer Sopranstimme und „Because we believe“ (Andrea Bocelli), dass es Einiges zu erwarten gab an diesem Abend, in Gemeinschaft von Schramberger Stimmen und
Instrumentalisten.

Doch zunächst hatten die Stadtmusiker noch in „New York 1927“ (Warren Baker) zu tun und mit hohem Tempo und Präzision bei Jazz- und Bluespassagen. „Schnallen sie sich an für eine musikalische Taxifahrt, durch die Stadt die niemals schläft“, so Bornschein. Der Ragtime aus den wilden 20er-Jahren mit schnellen Instrumentalläufen und Rhythmen ließ grüßen und die Stadtmusik die „Golden Era“ aus der Konzertmuschel ins Publikum strahlen. Die war es dann auch als
Klangraum, der „Gabriel’s Oboe“ (Ennio Morricone) zum Hochgenuss für die Zuhörenden werden ließ.

Claudia Habermann und Cedric Kimmich gaben sich mit Stimme und Flügelhorn wechselnde und musikalisch ergreifende Soli. Dafür bekam die Sängerin eine spontane Umarmung des Dirigenten Daniel Weißer und der Flügelhornist anerkennende Jubelrufe der Kameraden.

Instrumente tragen Chor
Die Musikinstrumente würden die Chorstimmen tragen und die Chorstimmen den Instrumenten Sprache verleihen. „Und wenn das zusammenkommt, kann es atemberaubend werden“, kündigte Bornschein die rund 30 Singenden des „Frohsinns“ an, die zum zweiten Konzertteil auf die Bühne kamen. Mit „When you believe“ (Stephan Schwartz) machte die Stimmen mit einfühlsamer Unterstützung durch die Stadtmusiker die Herzen im Publikum weit.

Die Schramberger Chorgemeinschaft würde in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag feiern, so Bornschein, und schreibe an der Schramberger Kulturgeschichte mit, so Bornschein. Und wie das auf der Bühne geht, zeigten die versierten Singenden mit einem Medley und einer Hommage an „Irving Berlin’s America“ (arr. Roger Emerson und Paul Murtha), das mit einem munteren „Showbusiness” begann und endete.

Musikalisches Erzählen
Musikalisches Erzählen, hatten beide Konzertpartner mit dem wohl emotionalsten Meisterwerk von Ennio Morricone im Gepäck: Bei „La Califfa“ „erzählten“ sie mit ihrer Musik von Liebe, Kampf und Verlust. Bei „Sogno di Volare“ (Christopher Tin) – dem Traum vom Fliegen – gelang Sängern und Instrumentalisten wie im Text ein gemeinsamer Höhenflug: „Die Bläser sorgen für den Aufwind und die Stimmen tragen die Melodie in den Himmel“, interpretierte Bornschein.

Ohne Zugaben entließen die rund 160 Zuhörenden, die bis auf die ersten Reihen fast alle Sitzplätze belegten, die Musikfreunde nicht von der Bühne.
Die durften erst nach den Gospels „I will follow him“ und „Oh happy day“ als Zugabe ein gelungenes Gemeinschaftskonzert beenden.