Ein Chor schreibt Geschichte – und rockt die Aula

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Bericht im Schwarzwälder Bote v. 15.10.2026 / Antonie Anton

Beim Konzert zum 150-jährigen Bestehen zeigte der „Frohsinn“, wie vielseitig Chorgesang sein kann. Neben
musikalischen Höhepunkten gab es Rückblicke auf bewegte Vereinsjahre und eine Ehrung.

 Mit einem musikalischen Streifzug von Evergreens über Musicalmelodien bis zu modernen Popsongs hat die Chorgemeinschaft Frohsinn Schramberg ihr 150-jähriges Bestehen gefeiert. Gemeinsam mit dem Rottweiler Chor Via Voce und einer Band begeisterten die Sänger das Publikum in der voll besetzten Aula des Gymnasiums.

Unter der Leitung von Claudia Habermann präsentierte der „Frohsinn“ ein abwechslungsreiches Programm. Der Chor Via Voce wurde von Julian Fack geleitet. Für die instrumentale Begleitung sorgte die Band um Johannes Romer am Saxophon und Gesang, Jörg Bauer am Klavier, Markus Kammerer am Bass und Pascal Schmid am Schlagzeug. Sabine Dieterle und Silke Haug-Groß führten abwechselnd durch den Abend.
Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr erinnerte bei ihrer Begrüßung an die Entwicklung des Vereins, der 1876 als Männergesangverein gegründet wurde. Als Anerkennung für das langjährige Engagement überreichte sie der Vorsitzenden Sabine Dieterle eine Spende der Stadt in Höhe von 300 Euro.
Dieterle betonte, dass 150 Jahre Vereinsgeschichte ein besonderer Grund zum Feiern seien. Gerade in schwierigen Zeiten könne Gemeinschaft viel bewirken. Das Konzert sollte kein feierliches Festkonzert sein, sondern einen unterhaltsamen musikalischen Abend bieten – ein Vorhaben, das der Chorgemeinschaft eindrucksvoll gelang.

Mambo bringt Bewegung
Den Auftakt gestaltete der Rottweiler Chor Via Voce mit Pianistin Marion Rösch. Mit dem rhythmischen Arrangement „Mambo“ von Herbert Grönemeyer und Oliver Gies kam gleich Bewegung in den Saal. „Let the Sunshine in“ aus dem Musical „Hair“ sorgte für gute Laune und animierte das Publikum zum Mitklatschen.
Es folgten „Weit, weit weg“ von Hubert von Goisern und „Cover Me in Sunshine“, bekannt durch Pink. Bei „California Dreaming“ begeisterte der Chor mit einem kunstvollen Tonsilben-Arrangement. Als Zugabe lieferten die Männer mit dem musikalischen Dialog „Hallo, hallo, wie geht’s, wie steht’s“ einen humorvollen Abschluss. Der Applaus war groß.

Im zweiten Konzertblock zeigte die Band um Johannes Romer ihr Können. Mit „A Day in the Life of a Fool“ und „Fly Me to the Moon“ überzeugten die Musiker an Klavier, Saxophon, Schlagzeug und Bass. Romer spielte ausdrucksstark und improvisierte am Saxophon. Auch als Sänger bewies er seine Vielseitigkeit.

Blick in die Geschichte
Nach der Pause gehörte die Bühne dem „Frohsinn“. Die Moderatorinnen Sabine Dieterle und Silke Haug-Groß blickten auf die bewegte Vereinsgeschichte zurück. Bei der Gründung 1876 zählte der Chor zwölf Mitglieder. Lehrer Otto Welte erhielt als Dirigent eine Mark pro Probe. Seinen zahlenmäßigen Höhepunkt hatte der Verein 1928 mit 210 aktiven Sängern. Heute gehören der Chorgemeinschaft 49 Aktive an.
Während es in den ersten elf Jahren elf verschiedene Chorleiter gab, prägten in den vergangenen Jahrzehnten vier Dirigenten den Verein. Hans-Martin Werner regte zwischen 1981 und 1989 die Gründung des Frauenchors an und entwickelte den traditionellen Männergesangverein zur heutigen Chorgemeinschaft weiter. Heinrich Hoffmann, der 20 Jahre lang Chorleiter war, etablierte den Jugendchor und den Confetti Chor & more. Marcel Dreiling leitete von 2009 bis 2013 mehrere Gospelkonzerte und begleitete den Chor zum Chorfest nach Frankfurt. Seit 2013 steht Claudia Habermann am Dirigentenpult. Mit ihrem südamerikanischen Temperament und intensiver Probenarbeit bereitete sie die Chöre auf das Jubiläum vor.
Auch frühere Vorsitzende wurden gewürdigt. Unter ihnen waren Arnhold Budick, Willi Kuhn, Peter Meyer Monika Koch als erste Frau an der Vereinsspitze und Thomas Brugger.

Fernweh und Popklassiker
Musikalisch begann der „Frohsinn“ mit einem Männerensemble. Das neapolitanische Lied „Vicino o mare“ entführte das Publikum ans Meer. Bei „Die Gedanken sind frei“ stießen die Frauen hinzu. Das Lied stand für Freiheit und Unabhängigkeit und wurde abwechselnd von Männern und Frauen gesungen, begleitet von Tonsilben.
Mit „The Lion Sleeps Tonight“ zog afrikanisches Flair in die Aula ein. Löwengebrüll und markante Zwischenrufe sorgten für passende Atmosphäre. Beim brasilianischen Volkslied „Muié rendéra“ überzeugte der Chor mit portugiesischem Gesang. Die Beatles waren mit „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ vertreten, Elvis Presley mit „Can’t Help Falling in Love“.

Seit 65 Jahren dabei
Die Geschichte des Frauenchors griff Arnhold Budick auf. Anfangs hatten sich manche Männer gegen dessen Gründung gesträubt. Erst als feststand, dass der Männerchor seine Eigenständigkeit behalten würde, stimmte die Mehrheit zu. Der eigens für den Schramberger Chor geschaffene Sängergruß mit Worten des Heimatdichters Fritz Würz erinnerte an diese Tradition.
Ein besonderer Höhepunkt war die Ehrung Budicks. Er ist seit 65 Jahren Sänger und Vereinsmitglied und war 35 Jahre in verschiedenen Vereinsämtern aktiv, darunter als Vorsitzender. Sabine Dieterle ernannte ihn zum Ehrenmitglied und überreichte ihm die Urkunde. Budick betonte, dass ihm die Arbeit für den Verein stets große Freude bereitet habe.

Musikalische Frauenpower
Die Sängerinnen zeigten mit „Itsy Bitsy“ ihre musikalische Frauenpower. Der gemischte Chor überzeugte anschließend mit „Love of My Life“ von Queen, bevor „Mamma Mia“ von ABBA und „Westerland“ von Die Ärzte für Schwung sorgten. Nachdenklich wurde es mit Nenas „Wunder gescheh’n“, das Hoffnung und Zuversicht zum Thema hatte.
Die Moderatorinnen warben dafür, die Chorgemeinschaft auch künftig zu unterstützen und selbst mitzusingen. Gerade in einer Zeit, in der soziale Medien lebendige Gemeinschaften zunehmend verdrängten, sei das gemeinsame Singen besonders wertvoll. Mit „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen endete das Programm. Die Zugabe vereinte schließlich beide Chöre auf der Bühne: Mit „Viva la Vida“ feierten die Sänger gemeinsam das Leben. Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus.